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Outer Banks Urlaub PDF Print E-mail
Written by Ivonne   
Sunday, 17 June 2007

Zwei Tage nach Schulende, am 7. Juni, brachen wir zu einer Woche Strandurlaub nach Cape Hatteras auf den Outer Banks auf. Hatteras Island ist die südlichste der über den Landweg erreichbaren Inseln der Outer Banks – eine North Carolina vorgelagerte Inselgruppe.
 

CapeHatteras
Vom Norden her fährt man über zahlreiche Brücken auf die Inseln und dann über weitere langgestreckte Brücke bis nach Hatteras Island, einer immer schmaler werdende Landzuge bis zum ihrem Südende, wo sie sich schließlich wieder erweitert. DSCN5986.JPGDie Inseln sind größtenteils so schmal, dass man über weite Strecken links und recht gleichzeitig das Meer von der Strasse aus sehen kann. Nach Hattereas kann man nur mehr eine Fähre nach Ocracoke und dann eine weitere zurück zum Festland von North Carolina nehmen.  

Es war ein toller Urlaub. Leider hatten wir Tristan schon 2 Tage vorher davon erzählt und obwohl "Urlaub" nicht wirklich was für ihn bedeutete, nervte er uns munter jeden Tag 60x mit der Frage, wann wir denn nun in "U-laub?" fahren würden und wenn jemand den Raum verließ, lief er wie von Taranteln gestochen hinterher und schrie: "Bub auch mit in U-laub!"

 

Wir brachen Donnerstag auf und fuhren erst mal 5h in Richtung Osten an die Küste, wo wir in Chesapeake ein Hotel gebucht hatten. Die Kids hielten die Fahrt erstaunlich gut durch. Alexander war in der letzten Reihe mit seinem DVD Player beschäftigt, Tristan und Lillian unterhielten sich in der zweiten Reihe prächtig miteinander. Wir hatten uns aus purer Angst vor Tristans Temperament und Langeweile einen weiteren portablen DVD player zugelegt und mitgenommen, aber wir brauchten ihn nicht. Außerdem wussten wir nicht, ob Tristan überhaupt geschaut hätte, denn er darf mit seinen 2.5 Jahren von uns aus eigentlich noch nicht fern sehen und kann auch echt nichts damit anfangen, wenn wo ein Kinderprogramm bei Freunden/in einem  Lokal etc. läuft. Nichts interessiert ihn weniger, was Amerikaner überhaupt nicht verstehen. Hier sitzen die Kids in dem Alter schon stundenlang vor dem Fernseher ... ich wurde sogar schon gefragt, ob mit Tristans Augen vielleicht was nicht stimmen würde, weil er so überhaupt kein Interesse zeigt und paranoid wie ich bin hab ich das natürlich auch gleich einen Augenarzt gefragt, aber der meinte nur, dass Tristan einfach vernünftiger wäre als die meisten Ami-Kids!

DSC02354Am Abend im Hotel sind Tristan und Lillian allerdings echt von den Wänden gepebbelt! Sie hatten soviel Energie, dass sie laut quietschend Wettkrabbeln veranstalteten und dann völlig erschöpft von uns nur mehr umgelegt werden mussten. Auch ganz praktisch.

 

Die Fahrt auf die Outer Banks am nächsten Tag hatte alleine schon Erholungswert.

Bei strahlendem Wetter fuhren wir zwischen den berühmten Sanddünen von den tourismusüberfluteten Nordinseln in den immer ruhiger werdenden Süden, erklärten Tristan immer wieder, dass wir bereits auf Urlaub wären, denn er rief alle 3 min erfreut: "wir fahren in U-laub!" ... bis uns "unser" Leuchtturm von Cape Hatteras begrüßte.IMG_2119 Wer’s noch nicht weiß: ich bin Leuchtturm-Fan, Georg ist Brücken-Fan, also hatte der Urlaub wieder mal was für uns beide. Tristan ist unser beider Sohn – eindeutig, denn seine Begeisterung für Leuchttürme und Brücken ist gleichermaßen laut und eindringlich! Lillian lacht nur wenn er mit vor Begeisterung überkippender Stimme egal was brüllt und Alexander schaute kurz von seinem Film hoch und meinte: "sind wir schon in der Nähe vom Meer? Da draußen sitzt eine Möwe!"  Wohlgemerkt sah man unmittelbar hinter der Möwe das Meer ans Ufer klatschen, aber Alexanders Gehirn machte halt auch Ferien.

 

Wir hatten bereits vorgebucht – auch eine Neuheit für uns, wir suchen sonst wie hier üblich und einfach möglich immer erst unmittelbar ein Quartier, aber in so stark frequentierten Tourismusgebieten ist das schwierig. IMG_2114Wir hatten eine Ebene eines Cottages gemietet mit Terrasse und Ausblick aufs Meer, allerdings nur wenn man aufrecht steht und mindestens so groß ist wie ich. Alle Cottages und Häuser stehen auf Stelzen für den Fall von Überflutungen und viele haben traditionell eine Außenfassade von verwitterten Holz-Schindeln, das klassische Bild der Outer Banks und auf Cape Hatteras noch stark vertreten, während die nördlicheren Inseln leider mittlerweile Reihen und Reihen von identischen Häusern in oft schreienden Farben zeigen.

 

Am ersten Abend kam dann noch Helmut, der 2 Tage mit uns verbrachte. Er, (Yep, wer uns besucht wird nicht nur hier erwähnt sondern darf sogar mit auf Urlaub!), seine Frau Beth und Sohn Leo sind Freunde von uns aus Graz, die mittlerweile allerdings nach Deutschland gezogen sind. Jedenfalls hatte Helmut beruflich hier in der Nähe (so 4h von hier) zu tun und kam uns wie schon letztes Jahr ein Wochenende in Blacksburg besuchen. Diesmal konnten wir dann noch 2 Tage auf den Outer Banks zusammen anhängen und es war wie immer mit ihm super lustig. Helmut hat einen unerschöpflichen Vorrat von witzigen/satirischen/bis tragikkomischen Ansagen und es ist herrlich wieder mal mit jemandem in Deutsch zu scherzen! Aber nächstes Jahr wollen wir Beth und Leo auch sehen!!!

 

DSC02281Jedenfalls ist Helmut Tristans erklärter und absoluter Favorit! Vom ersten begeisterten: "Mann! Groooooßer Mann!" weg, hatte Helmut einen etwas 2m und 6 cm großen Platz im Herzen unseres Lausers eingenommen (oder 2,04? Keine Ahnung, ab 2m hör ich auf zu zählen und kümmere mich um meinen steifen Nacken). Nur Helmut durfte ihn im Pool halten (der Arme kam kaum dazu mal zu entspannen) Helmut musste "Buch lesen!" und und und ....

Die erste Nacht durften wir ohne Klimaanlage verbringen, kein Problem, die Temperaturen waren ja nur in den 30ern und Schwitzen macht eh Spaß. Helmut verzog sich freiwillig auf den Boden im "Wohnzimmer" denn zusammen mit den Buben in einem relativ kleinen Zimmer zu schwitzen und seine Füße über den Bettrand hängen zu haben war ihm angeblich zu viel. Wir wissen allerdings sehr wohl, dass der wahre Grund seiner Flucht so ziemlich genau 1 m groß ist und liegende Erwachsene als natürliche und praktische Hüpfmatratzen ansieht.

 

DSC02271Am nächsten Tag mussten wir natürlich gleich an den Strand. Tristan wie immer am aufgeregtesten – jedem erzählend, dass wir "an den Staaand!" gehen, und am überraschtesten von allen, als er das Meer dann tatsächlich sah. Er war hin und hergerissen zwischen ins Wasser wollen und Angst vor den Wellen. Alexander ließ sich gleich mal drüber und drunter wutzeln, wie sich’s gehört.

Der Atlantik war sehr stürmisch und man konnte nur vorsichtig ins Wasser ohne überspült oder umgeworfen zu werden, es sei denn man ist der Leuchtturm, oder Helmut. Georg und Alexander versuchten sich im Body surfing, ich flüchtete ganz schnell, nachdem ich eine Welle (und Helmuts gerufene Warnung) unterschätzt hatte und mit Lillian am Arm gleich mal überflutet wurde, aber während ich leicht panisch das Ufer ansteuerte, blies sich Prinzessin Lillian nur hochheitsvoll ihr kleines Näschen durch und kicherte dann ganz undamenhaft.

DSC02190 DSC02193 DSC02194 DSC02195

Über die Mittagszeit gingen wir brav nach Hause, um Georgs Kashaxen (ich hoffe das überlebt die Zensur, sprich Korrektur-Lesung durch ihn) und sonstiger Blässe nicht sofort eine Verbrennung 3. Grades zuzufügen und nachmittags dann noch mal zum Strand.

Und die Kids? Lillian hat zum Glück überhaupt kein Problem mit fremden Umgebungen, sonst hätte sie es wohl schwer in unserer Familie. Den Boden erreicht wirft sie sich auf alle Viere und los geht’s, auch durchaus um die Ecke und ab in die Ferne. Zum Glück hält Tristan meist ein Auge auf sie und schreit dann "Baby, nein, Baby ab-haut!" Alexander hat normalerweise seine Kopfhörer im Ohr, den MP3 player in der Hand und hört eine 3 Fragezeichen Geschichte – von uns ursprünglich ermutigt, um sein Deutsch zu stärken – nun fragen wir uns, was wir uns dabei gedacht haben. Wenn er keine Ohrstecker drin hat, hat er die Nase in einem Buch und hört uns genau so wenig.

 

Abends stand das erste von einigen Meeresfrüchteessen auf dem Programm und wenn ihr das nächste Mal auf Cape Hatteras seid – am Südende gibt es eine "Sand- and Grillbar" bei der man mit Aussicht auf den Pamlico Sound, also die innere Meeresbucht isst, in unserem Fall (inzwischen 3x) im Abendlicht der untergehenden Sonne und das Essen übersteigt fast das Ambiente!

Sogar Georg, der ja eher der "halbe-Kuh-auf-dem-Teller" Fan ist, ließ sich zu einer Fischmahlzeit überreden, die Shrimp und Crabcakes auf unseren Tellern ließ er uns allerdings ohne Neid unangetastet. Die Jungs mampfen Seafood mit Begeisterung, Lillian ist noch der Karottenbrei-Phase, bevorzugt allerdings jetzt schon Fleisch.

 

Am Sonntag besuchten wir wieder unseren Leuchtturm, den Georg nun endlich bezwingen wollte. Wer sich erinnert: im letzten Jahr, als wir kurz durch Cape Hatteras kamen, ließ man uns nicht hinaufsteigen, da die Hitze und Luftfeuchtigkeit im Turm sehr hoch ist und man deshalb Kinder nicht tragen darf. DSC02331Diesmal blieb ich mit den Kleinen unten (war auch gar nicht böse darüber) und Georg, Helmut und Alexander erklommen die unendlichen 134m des Leuchtturmes in wenigen Minuten. Ich spazierte ein bisschen herum – hör ich schon jemanden von der Spitze jodeln (und ich meine jodeln!!!) und höre Amis lachen: "Did you hear that? Some guy was actually yodeling up there!" und Helmut fragt mich später noch, warum ich denn nicht hinauf gewunken hätte zu ihnen ... Ähm?

Nach einem weiteren Strandbesuch musste Helmut am späten Nachmittag wieder zu seiner 4h Heimfahrt aufbrechen – das war’s dann wohl wieder für ein Jahr. Es war schön und nicht vergessen: nächstes Mal bitte mit Anhang!

 

Eigentlich sollte ich jetzt mit einer Aufzählung beginnen, was wir alles in den nächsten Tage gemacht haben, aber ganz ehrlich: wir haben uns zurückgelegt, die Kids beobachtet, geschlafen, im Sand gespielt, und entspannt. Wir hatten das wirklich nötig. (Den Termitenüberfall an einem Morgen lasse ich hier unerwähnt, wen stört es schon von kitzelnden Füßchen geweckt zu werden – sind wir ja von den Kids gewohnt – und nachdem wir nicht aus Holz sind, kamen wir ungebissen davon.)

Seafood am Abend, ein Gläschen Wein wenn die Kids im Bett waren, ein Buch und das Meeresrauschen und Krankenhausaufenthalte und Schießereien ganz weit weg aus unserer physischen und psychischen Nähe.

 

DSC02380Am Heimweg, den wir wieder in 2 Etappen erledigten, besuchten wir noch eine deutsche Freundin nebst 6 Monate altem Söhnchen in Richmond, der Hauptstadt Virginias.

Ca 2h vor zu Hause auf der I-81 ein kleiner Schreck: wir fahren über eine Anhöhe und alles steht. Georg bremst kontrolliert in 2 Phasen, da das Auto hinter uns es kaum schafft und dann zur Mitte hin ausweicht (zwischen unserem Auto und dem auf der unmittelbar angrenzenden Spur), ein Laster weiter hinter uns schafft die Bremsung nicht ganz und weicht auf das Grasland daneben aus und zieht bis auf 2 Autolängen hinter uns seitlich an den anderen vorbei.

Und voilà, der Alltag hat uns wieder.

   
Last Updated ( Tuesday, 31 July 2007 )
 
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